Johann-Vanotti-Gymnasium Ehingen [2013-10-20--2014-04-08; leicht modifiziert/aktualisiert: 2021-02-19]

Fächer: Latein

Latein, das Super-FachLatein am Johann-Vanotti-GymnasiumUnsere LehrbücherUnsere Latein-Lehrer/innenEine tote Sprache für junge Menschen?

salvē, discipula!
salvē, discipule!
salvēte, discipulī discipulaeque!

Latein, das SUPER[*]-Fach!

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Latein am Johann-Vanotti-Gymnasium

Wenn du an unserer Schule Latein ab Klasse 6 (als Hauptfach) lernen willst, gelangst du in fünf Jahren zum Latinum [*].

In den ersten 3 bis 3 1/2 Jahren lernst du allmählich kennen, was das Lateinische alles an Ausdrucksmöglichkeiten besitzt, danach erfährst du durch die Lektüre von (meist) zweitausend Jahre alten Texten, was die Römer mit diesen sprachlichen Mitteln zustande gebracht haben.

In der 6., 7. und 8. Klasse stehen jeweils 4 Stunden Latein in der Woche auf dem Programm, in der 9. und 10. Klasse jeweils 3 Stunden pro Woche.

Und solltest du danach noch tiefer in lateinische Texte eindringen wollen, gibt es in der Kursstufe die Möglichkeit, das Fach zwei Jahre lang in einem drei- oder fünfstündigen Kurs zu vertiefen, ja sogar in Latein Abitur zu machen.

 

Wer in der 6. Klasse jedoch lieber Französisch gewählt hat, muss nicht ohne Latein-Kenntnisse nach Klasse 12 die Schule verlassen: Ab der 7. Klasse bieten wir eine Latein-Arbeitsgemeinschaft an. Hier kannst du in wöchentlich drei Stunden innerhalb von vier Jahren so viel Latein lernen, dass du in der zehnten Klasse eine Prüfung (schriftlich und mündlich), das sogenannte Latinum ablegen kannst. Diese Prüfung findet parallel zum Abitur (der zwei Jahre älteren Zwölftklässler) als Ergänzungsprüfung statt und wird dann ins Abiturzeugnis aufgenommen.

Du hast somit formal (nach 12 Wochenstunden Latein: 4 Jahre x 3 Stunden) denselben Latein-Abschluss wie diejenigen, die von Klasse 6 an (mit 20 Wochenstunden: 5 Jahre x durchschnittlich 4 Stunden) Latein als Hauptfach hatten.

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Unsere Lehrbücher

Interesse

Wir befinden uns im Jahr ...Nous sommes en 50 avant Jésus-Christ. Toute la Gaule est occupé par les Romains ... Toute? Non! Un village peuplé d'irreductibles Gaulois résiste encore et toujours à l'envahisseur. Et la vie n'est pas facile ... So begann 1961 der erste Band der Asterix-Comic-Reihe.

Die Handlung unseres Lehrbuchs Interesse[*] beginnt kurz vor Asterix, im Jahr 51 v. Chr.[**]: Der Kontrahent von Asterix und Obelix, Gaius Julius Caesar, 49 Jahre alt, befindet sich noch in Gallien; Caesars bekanntester Zeitgenosse, der damals 55jährige Marcus Tullius Cicero, ist ebenfalls derzeit nicht in Rom: er leitet seit einem Jahr als römischer Statthalter im fernen Osten die Provinz Kilikien, heute der südöstliche Teil der türkischen Mittelmeerküste.

Mit der Lektüre der Lektionen lernen wir die Familie von Lucius Volcatius Tullus und seiner Frau Servilia und die römische Welt ihrer Zeit immer besser kennen.

INTERESSE 1 auf der Verlags-Homepage
Die Familie, die sonst in Rom lebt, hat die heißen Sommermonate auf ihrem landwirtschaftlichen Anwesen bei Tusculum verbracht. Jetzt geht die Reise zurück nach Rom.

Vier Kinder hat die Familie: Junge, Mädchen, Junge, Mädchen: Lucius (14), Volcatia (11), Gaius (9) und das Volcatialein Volcatilla (4). Wie bei wohlhabenden Römern üblich, gehören zur familia auch Sklaven: Davus, Ursus, Charis, Crixus und Afra.

INTERESSE 2 auf der Verlags-Homepage
Wir begleiten diese Personen nun vom Land in die Stadt, in die Schule, auf den Markt und an den Hafen. Wir hören griechische Sagen aus dem Munde der Sklavin Charis und des Lehrers Cleon. Die Anfänge Roms und die mythische Frühgeschichte werden uns ebenso nahe gebracht, wie wir anschließend zurück in der Gegenwart die Vorbereitungen zu einem Festessen mitbekommen, den Grund dafür und die Gespräche, die dabei geführt werden. Hier erfahren wir auch aus erster Hand, was gerade in Gallien passiert. Der Großvater steuert Erinnerungen an den zwanzig Jahre zurückliegenden Sklavenaufstand unter Spartacus bei, Servilia unterhält sich mit ihrer Freundin Domitia über die bevorstehende Hochzeit, die deren Tochter Domitilla nächstens feiern wird. In den Gesprächen der Männer geht es um Ciceros Situation in der Provinz und um Jugend-Abenteuer Caesars ...

Soweit grob der Inhalt der ersten 25 (von 50) Lektionen.

Latinum

Verglichen mit Interesse ist nicht nur der Titel des Lehrbuchs der Latein-AG wesentlich prosaischer: es heißt, wie der Abschluss, der mit der Arbeitsgemeinschaft erreicht werden soll: Latinum.

LATINUM auf der Verlags-Homepage
In 28 Lektionen werden die wichtigen Aspekte der lateinischen Grammatik vorgestellt. Jede Lektion bietet (wie auch Interesse) ca. 30 neue lateinische Wörter. Die Themen der Lesestücke sind zu einem großen Teil dieselben wie in unserem anderen Lehrbuch; was allerdings fehlt, ist der lange Atem einer zusammenhängenden Geschichte, der immerhin die ersten 27 Lektionen von Interesse durchzieht.

Aber auch mit weniger Wochenstunden in weniger Jahren lassen sich die Voraussetzungen für Original-Lektüre von Ciceros Reden, die in der Latinums-Prüfung zu bewältigen sind, erarbeiten.


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MAGISTRAE MAGISTRIQUE:

Die Latein-Lehrerinnen und die Latein-Lehrer

Zur Zeit unterrichten an unserer Schule sechs (mitterweile [2021] nur noch fünf) Leute Latein:

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Eine tote Sprache für junge Schüler/innen?

Sprachen können nicht leben oder sterben.

Leben oder sterben können nur Menschen.

Der Mensch zeichnet sich vor den übrigen Lebewesen durch seine Sprache aus.

Jeder Mensch hat seine Sprache(n), und wenn der Mensch gestorben ist, ist auch diese besondere Sprache tot.

Die Sprachen, die wir heute sprechen, sind die (momentan) letzte Schicht der Sprache, die sich seit dem Beginn der Menschheit entwickelt und verändert.

Wer sich nicht mit Oberflächen zufrieden geben und tiefer dringen möchte, wird ältere Stufen seiner Sprache(n) kennenlernen wollen oder müssen.

Wenn wir alte Filme sehen oder Bücher aus dem 19. Jahrhundert (oder noch früher) lesen, merken wir, wie unsere Sprache nicht mehr die damalige ist.

Schon der originale Wortlaut der Lutherbibel aus dem beginnenden 16. Jahrhundert ist uns ohne Erklärung an vielen Stellen nicht mehr verständlich. Und die Lutherbibel ist bereits in Neuhochdeutsch verfasst. Hundert oder zweihundert Jahre früher in Mittelhochdeutsch geschriebene Texte sind uns ohne Wörterbuch und grammatische Hinweise kaum noch verständlich. Von den ersten Zeugen für die deutsche Sprache in Althochdeutsch wird man nur noch mit Glück einige Bröckchen verstehen oder (eher) missverstehen.

Wer also nicht bei den erstbesten Eindrücken stehen bleiben, sondern den Dingen auf den Grund gehen möchte (was das grundlegende Merkmal von Wissenschaft ist), wird auch bei seiner Sprache tiefer dringen wollen.

Und wie wir beim Bohren im historischen Bestand der deutschen Sprache beim Althochdeutschen, Altsächsischen, Altfränkischen landen (und weiter zurück keine schriftlichen Aufzeichnungen mehr finden), treffen wir in den Tiefen der englischen, französischen, spanischen, italienischen Sprache auf das Lateinische. Latein war die Mutter der romanischen Sprachen; die Väter waren die jeweiligen Sprachen der verschiedenen Regionen.

Auf Latein sind einige Grundtexte Europas (oder des Abendlandes) verfasst, lateinisch wurde die Bibel von der Antike bis in die Neuzeit rezipiert, lateinisch wurde das ganze Mittelalter hindurch Gottesdienst gefeiert, das römische Recht wird bis heute in seiner ursprünglichen Sprachgestalt studiert, die erzählende Literatur weist zentrale lateinische Werke auf, auf die in Literatur, Kunst und Musik bis in die Gegenwart Bezug genommen wird.

Latein war das Englisch des Mittelalters [*]: Wer Latein beherrschte, konnte von Portugal bis Polen oder Russland reisen und fand überall Mitmenschen, mit denen er sich in der Sprache der längst zu Staub zerfallenen Römer unterhalten konnte.

So, wie Naturwissenschaften nicht ohne Mathematik vorstellbar sind, wird man auch in den Geisteswissenschaften ohne authentische Kenntnisse der alten Sprachen nicht weit kommen.

Niemand muss Latein lernen, aber man sollte keinem/r Interessierten die Möglichkeit vorenthalten, diese knappe, spröde, luzide Sprache kennen zu lernen: sie zu lernen, um sie zu können oder wenigstens in ihren Grundzügen kennengelernt zu haben.




[*] super

super: dt.: darüber, oben;

oft wird super auch als Abkürzung für Superlativ-... oder ... der Superlative verwendet ...;

so steht's im Latein-Wörterbuch Georges: super in Georges (www.zeno.org) und hier die beiden Wörterbuch-Seiten im Faksimile: S. 2928 und S. 2929;

andere lateinische Wörter vom Stamm super: super(us) / supremus / superare ...

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Inschrift an der Südseite der Rißtissener Kirche

Weihinschrift lateinisch-deutsch
Umschrift
und
Übersetzung:
Umschrift
und
Übersetzung:

Das älteste Schriftdenkmal auf dem Boden der Großen Kreisstadt Ehingen (Donau):
Weih-Inschrift aus dem Jahre ca. 200 n. Chr. an der Südseite der Rißtissener Kirche, neben der Sakristei-Tür
Südseite der Rißtissener Pfarrkirche; Inschrift im roten Kreis
Die Rißtissener Pfarrkirche von Nord-West

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Jubiläum 2012: 700 Jahre Latein in Ehingen!

Die lateinische Schule wird erstmals 1312 indirekt mit dem in einer Urkunde auftretenden Schulmeister Heinrich erwähnt.

aus: Kreisbeschreibungen des Landes Baden-Württemberg: Der Alb-Donau-Kreis, Band II,
Sigmaringen: Thorbecke 1992, S. 119

Möglicherweise konnte man aber schon 50 oder 60 Jahre früher in Ehingen Latein lernen.

Vgl. Franz Michael Weber: Ehingen. Geschichte einer oberschwäbischen Donaustadt,
Ehingen (Donau): Stadt Ehingen (Donau) 1955, S. 218f.

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CDEIIIIINVVV – Sprachökonomie / Wortgeiz / Maulfaulheit

AUFGABE: Verschiebe die Buchstaben CDEIIIIINVVV so, dass aus ihnen drei Sätze werden: CDEIIIIINVVV CDEIII CDEI CDE CD C IINVVV IIII III EI D NVVV IIN II E VVV II I NV I VV I I TIPP: Die beste Anordnung ist 3 x 4: I N CDEI V IIII V NVVV V Noch ein TIPP: Alle Sätze beginnen mit V und enden mit I: VCDI VEII --> »lat.« Name VINI --> lat. Wort! rote Buchstaben vertauschen! VCDI VENI --> lat. Wort/Satz [ok] VIII --> röm. Zahl rote Buchstaben vertauschen! VIDI --> lat. Wort/Satz [ok] VENI --> lat. Wort/Satz [ok] VCII --> "5 102": keine röm. Zahl! rote Buchstaben vertauschen! VIDI --> lat. Wort/Satz [ok] VENI --> lat. Wort/Satz [ok] VICI --> lat. Wort/Satz [ok] Jetzt müssten die Sätze nur noch in die richtige Reihenfolge gebracht werden ...

Die Römer waren sparsame Zeitgenossen: nicht nur materiell, sondern auch sprachlich.

Besonders auffällig ist das Fehlen des Artikels (der/die/das/ein/eine) [vgl. WikipediaArtikel (Wortart)];

viele Sätze kommen auch ohne ausdrückliches Subjekt aus, weil sich dieses meist schon aus den Endungen der Verben ergibt. Wo das nicht der Fall ist, wird es eigens genannt; in sehr vielen Fällen reichte dem Römer, dass der Satzgegenstand (= Subjekt) vom Kontext her noch im Kurzzeit-Gedächtnis abrufbar war.


Unter den Sprachen an unserer Schule ist nur Chinesische noch sparsamer: keine Artikel, keine Flexions-Endungen! (Dafür stellt es erhöhte Ansprüche an die Aussprache; vgl. WikipediaTöne des Hochchinesischen.)

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Ursprung der meisten unserer Schul-Fremdsprachen

Einteilung der germanischen Sprachen bzw. Dialekte
  • Linie zwischen Nord- und Westgermanisch
  • Nordgermanische Sprachen:
  • Isländisch
  • Färöisch
  • Norwegisch nynorsk
  • Norwegisch bokmål
  • Schwedisch
  • Dänisch
  • Westgermanische Sprachen:
  • Scots
  • Englisch
  • Friesisch
  • Niederländisch
  • Niederdeutsch
  • Mitteldeutsch
  • Oberdeutsch
Quelle: http://
de.wikipedia.org/wiki/Westgermanische_Sprachen

LATEIN GERMANISCH | | | +----+----+-----+--+ | | | | | | | | | Frz Spa (Ita) |(Norman- | | nisch) | | | | | Englisch Deutsch

Vom Lateinischen stammen die Romanischen Sprachen ab. Von ih­nen ist das Französische die am längsten und intensivsten in Deutsch­land gelernte Schulsprache, das Spanische holt in den letzten Jahren auf, obwohl Spanien nicht wie Frankreich ein Nachbarland ist, mit dem uns ei­ne über tausendjährige äußerst wechselvolle Geschichte verbindet. Für das Spanische als Schulsprache spricht die Zahl der spanischen Mut­ter­sprach­ler weltweit: begründet hauptsächlich durch die spanischen Er­obe­rungen in Südamerika nach der Entdeckung der Neuen Welt durch Ko­lum­bus 1492. Dieser Kolumbus freilich war im italienischen Genua als Cristoforo Colombo zur Welt gekommen.

Italien war nicht wie Spanien eine große Seemacht, deswegen wurde das Italienische keine große Weltsprache und durfte nur in der Musik nach dem Lateinischen bis ins neunzehnte Jahrhundert die erste Geige spielen. Als Schulsprache spielt es in Deutschland keine große Rolle, ob­wohl Italien [keine 400 km] (und das schweizerische Tessin/Ticino [kei­ne 300 km]) das zweite romanische Nachbarland im Süden von uns ist und das italienische Sprachgebiet damit kaum halb oder nur ein Drittel so weit von uns entfernt liegt wie Spanien [1050 km]. In der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg war Italien zudem das Land, aus dem die ersten Gastarbeiter kamen, und wohin die ersten Urlaubsreisen in den Süden unternommen wurden. (Kein Meer liegt uns näher als das Ligurische (westlich und südlich von Genua) [570 km] oder auf der anderen Seite des italienischen Stiefels die Adria [580 km]!)

Das Englische ist demgegenüber auf den ersten Blick keine romanische Sprache, sondern gehört zur ger­ma­ni­schen Sprachfamilie. Allerdings war der erste Römer, der sich mit Eroberungsabsichten nach England auf­mach­te, Gaius Iulius Caesar. Und nur wenig später war Britannia ein Teil des Imperium Romanum und blieb es für Jahrhunderte. Diese Zeit hat bereits zahlreiche Spuren im englischen Wortschatz hinterlassen. Im frühen Mit­tel­al­ter waren dann Angeln, Sachsen und Wikinger für die Sprache der Insulaner bestimmend. Das änderte sich aber wieder ab dem Jahre 1066 mit der Eroberung Englands durch die Normannen, die aus der Normandie kom­mend (trotz ihres Namens, der Nordmänner bedeutet) eine weitgehend romanische Sprache als Sprache der neuen Führungsschicht und Verwaltung importierten. Von der Rolle der Kirche und ihrer Bedeutung für die Prä­senz des Lateinischen unter der normalen Bevölkerung soll hier gar nicht die Rede sein.

Vgl. dazu die Wikipedia-Artikel
Romanische Sprachen
Englisch

Einfluss des Lateinischen auf den Wortschatz des Altenglischen
(neben dem Keltischen und dem Skandinavischen der Wikinger:
Geschichte der englischen Sprache / Wortschatz

Indirekter Einfluss des Lateinischen auf das Mittelenglische durch das Französisch der normannischen Eroberer (ab 1066):
Geschichte der englischen Sprache / Französischer Einfluss

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Grundsprache der westlichen Welt

Ein Blick auf die Karten Die romanischen Weltsprachen und Die englischsprachige Welt lehrt, dass vom Lateinischen direkt oder teilweise abstammende Sprachen den westlichen Teil Europas, Nord- und Südamerika, Afrika und Australien dominieren.

Vom Lateinischen und seinen Folgesprachen nicht oder kaum berührt sind Mittel- und Osteuropa und Asien.

Die beiden anderen wichtigen Sprachfamilien neben der romanischen sind in Europa die germanische und die slawische. Letztere weist die meisten Muttersprachler auf.

Die romanischen Weltsprachen:

Dunkle Farbtöne stellen offiziellen Sprachstatus dar, hellere einen inoffiziellen Status mit weiter Verbreitung

Span. Portugies. Französ. Italien. Rumän.

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Romanische_Sprachen
Die englischsprachige Welt:
  • Länder der Welt, in denen Englisch gesprochen wird als Amtssprache oder als Landes- und Verkehrssprache (dunkelblau): Britische Inseln, Vereinigte Staaten, Kanada, Australien und Neuseeland – Ausnahme: im östlichen Kanada hat die Provinz Québec Französisch als Amts Amts- und Nationalsprache, in Nunavut werden überwiegend Sprachen der Ureinwohner gesprochen
  • Länder, in denen Englisch zwar Amts-, aber nur Nebensprache ist (hellblau)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Englische_Sprache
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Meta-Sprache / Grammatik

Wenn auch das Wort Grammatik griechischen Ursprung hat, sind die meisten grammatischen Fachbegriffe (termini technici) lateinisch: Angefangen bei den Satzgliedern Prädikat, Subjekt, Objekt, Adverbiale, Attribut über die Namen der Kasus (Fälle) Nominativ, Genitiv, Dativ, Akkusativ, Ablativ bis zu den Zeiten (Tempora) Präsens, Perfekt etc. und Modi (Aussageweisen) Indikativ, Konjunktiv, Imperativ ...

Neben Latein lernen die Kinder ganz wesentlich auch Grammmatisch: also die Fachsprache der Grammatik. Die damit verbundene Sprachbetrachtung schärft das sprachliche Bewusstsein auch für die Muttersprache und andere Fremdsprachen, denen die jungen Leute noch begegnen werden.

Die römischen Autoren haben nicht für Grundschüler oder den Mann auf der Straße geschrieben. Ihr Adressat war ein literarisch gebildetes Publikum; das hat zur Folge, dass ihre Texte entsprechend anspruchsvoll sind. Die Latte für das Verständnis (um ein Bild vom Hochsprung zu verwenden) liegt entsprechend hoch. Der tägliche Umgang mit anspruchsvollen Texten erleichtert nun auch den Zugang zu Texten in elaboriertem Code im Deutschen oder in modernen Fremdsprachen.

Vgl. dazu die Wikipedia-Artikel
Grammatik
Grammatiker

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Latein: Das Englisch des Mittelalters

Von Lissabon bis Moskau, von Syrakus bis Helsinki(?): Latein als "lingua franca" ...

Latein war in Mittel- und Westeuropa die Verkehrs-Sprache bis zur Entstehung der europäischen Nationalsprachen (It./Frz./Dt./Engl. ...); danach war es für lange Zeit noch die Sprache der Wissenschaft ....

Europas Geschichte ist durch drei Verkehrssprachen oder Linguae francae gekennzeichnet:
Latein (abnehmend seit dem späten Mittelalter bis 1867, als Ungarn als letztes Land Latein als Amtssprache aufgibt),
Französisch (vom Endes des Dreißigjährigen Krieges 1648 bis zum Versailler Vertrag 1918),
Englisch (seit 1918).

Zitat aus dem Wikipedia-Artikel Europäische_Sprachen mit Verweisen auf
Joachim Grzega: EuroLinguistischer Parcours: Kernwissen zur europäischen Sprachkultur, 2006
Harald Haarmann: Soziologie und Politik der Sprachen Europas, 1975
Harald Haarmann: Die Sprachenwelt Europas: Geschichte und Zukunft der Sprachnationen zwischen Atlantik und Ural, 1993

Vgl. dazu die Wikipedia-Artikel
Mittellatein
Humanistisches Latein
Europäische Sprachen

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Sprache der Religion und Wissenschaft bis in die frühe Neuzeit

Wikipedia: Verteilung der Inkunabeln nach Sprachen In der frühen Neuzeit, mit dem Beginn des Buchdrucks, war Latein die Sprache.

Der überwiegende Teil der neu erscheinenden Bücher war auf lateinisch gedruckt.
Wikipedia: Gutenberg-Bibel in der New York Public Library Auch der Text der Gu­tenberg-Bibel, des wohl bekann­tes­ten Werks der frühen Zeit der Buchdruck-Ära war natürlich in der Sprache Roms abgefasst: Die ursprünglich in Hebräisch (AT) und Griechisch (NT) geschriebene Bibel wurde in Mittel- und West-Europa während des ganzen Mittelalters bis ca. 1500 praktisch ausschließlich in der lateinischen Übersetzung des Kirchenvaters Hieronymus, der sogenannten Vulgata, gelesen. — So sieht die Gutenberg-Bibel aus (zu sehen ist das Exemplar der New York Public Library).
De insulis inuentis: Epistola Cristoferi Colom Das global wohl wichtigste Ereignis um die Mitte des zweiten Jahrtausends war die (Wieder-)Entdeckung Amerikas durch den in in Genua geborenen Chris­toph Kolumbus im Jahre 1492. In der weiten Welt bekannt gemacht wurde das Ereignis, wie kaum anders zu erwarten, kaum ein Jahr später in lateinischer Spra­che.

(← Der Anfang des 1493 in Basel gedruckten Briefes)
Sebastian Brant: Stultifera Navis (Übs. Jakob Locher) - Titelabbildung Der vermutlich klein­ste Platz Ehingens ist der Jakob-Locher-Platz.

Benannt ist er nach dem 1471 (und damit genau zwanzig Jahre nach Ko­lumbus) ge­bo­re­nen Hu­ma­nis­ten Jakob Locher.

Dieser wurde zwar als lateinischer Dichter be­kannt und sogar vom Kai­ser zum poeta lau­rea­tus gekrönt; seinen größ­ten publizistischen Erfolg aber hatte er mit einer Übersetzung aus dem Deutschen: Dem Nar­ren­schiff von Sebastian Brant (1457/58-1521), in Lochers Fassung Stul­ti­fera Navis betitelt.

Zum Bestseller in ganz Europa (und damit zum Welt-Bestseller) konnte das ja ursprünglich deutsch ge­schrie­bene Werk erst durch die Übersetzung in die Weltsprache Latein werden!

Die englische Version geht vermutlich auch auf die lateinische Fassung zurück, womit ein Ehinger (mit­tel­bar) die Grundlage für die erste Übertragung eines deutschen Buches ins Englische geschaffen hat:
Bei der englischen Ausgabe des Narrenschiffs handelt es sich um die erste Übersetzung eines deutschsprachigen Werkes ins Englische überhaupt.

Joachim Knape: Einleitung zu Sebastian Brant: Das Narrenschiff;
in: Brant, Sebastian: Das Narrenschiff, mit allen 114 Holzschnitten des Drucks Basel 1494, hrsg. v. Joachim Knape, Stuttgart: Reclam 2005, ISBN 3-15-018333-2, S. 254
[Zitat im Wikipedia-Artikel Sebastian Brant]
Disputatio pro declaratione virtutis indulgentiarum (Titelzeilen) Disputatio pro declaratione virtutis indulgentiarum (Gesamtansicht)
Fünfundzwanzig Jahre nach der Eröffnung der Welt im Westen durch Kolumbus begann 1517 mit Martin Luthers (1483-1546) 95 Thesen die Reformation und damit das Ende der unum­schränkten geistlichen Herrschaft der katholischen Kirche über ganz Mittel- und Westeuropa. Zwar sollte Luther in der Folge durch seine Bibel-Übersetzung der Vater der neuhoch­deut­schen Sprache werden. Doch die Sprache seiner Thesen zum Ablass war Latein, wie ein Blick auf die Abbildungen oben und rechts (und vielleicht ein Klick auf den damit verknüpften Ver­weis) lehrt.



Nicolaus Copernicus: De revolutionibus orbium coelestium (1543)
Von Revolutionen sprach der Titel des Haupt­wer­kes von Nikolaus Kopernikus (1473-1543). Er war zehn Jahre älter als der deutsche Reformator, hat­te in Italien Jura und Medizin studiert, auch lange als Arzt prak­ti­ziert. Fast ein Jahrzehnt vor Luthers Um­sturz der Re­li­gi­ons­verhältnisse hat er durch die Ent­deckung des he­li­o­zentrischen Welt­bildes die Er­de aus dem Zentrum des Kosmos katapultiert. Die Ver­öffentlichung seiner Be­rech­nungen (die spä­ter von Johannes Kepler ver­bes­sert und voll­en­det wurden) sollte freilich noch mehr als dreißig Jah­re auf sich warten lassen. Für den jüngeren Luther blieb die Erde bis zu seinem Tod der Mittelpunkt des Uni­versums. Der Ausdruck Re­vo­lu­ti­onen im Titel der Schrift von Kopernikus bedeutet noch nicht (wie von der Französischen Revolution an) totaler Um­sturz der Verhältnisse, sondern le­dig­lich Zu­rück­wäl­zun­gen, und von daher Um­dre­hung­en (der Himmelskörper). Ge­schfreiben war das Werk, wie sein Titel schon an­zeigt, la­tei­nisch.
Im selben Jahr veröffentlichte Andreas Vesalius (1514-1564), der flämische Leibarzt von Kaiser Karl V., noch keine dreißig Jahre alt, sein Hauptwerk De Humani Corporis Fabrica, den ersten Anatomie-Atlas, dessen Ab­bildungen auf wissenschaftlichen Sektionen menschlicher Leichname beruhten. Als medizi­ni­sche Schrift und als Werk, das auf ein internationales Publikum zielte, war es selbstverständlich lateinisch abgefasst.
Hier gibt es das Gesamtwerk zum Schmökern oder herunterladen:
und lesen: Universitäts-Bibliothek Basel (e-rara)

Eine ansprechend gestaltete Seite, auf der für eine Neuausgabe der Fabrica (EUR 1250,--) geworben wird
(leider nur auf Englisch): Renaissance Rebel and Pioneer of Modern Anatomy
Jakob Bidermann: Cenodoxus (1602; Ausgabe von 1666) CENODOXUS -- ein grie­chischer Titel (einer, der hohl scheint für ein la­tei­ni­sches Theaterstück aus der Feder eines gebürtigen Ehin­gers (der allerdings wohl höch­stens die ersten acht Le­bensjahre hier verbracht hat):

Jakob Bidermann S. J. ist sein Name. Er kam 1578 zur Welt in Ehingen und starb 1639 in Rom, wo er die letzten 13 Lebensjahre verbracht hatte. Als er vierzig Jahr alt war, begann der 30jährige Krieg, als er starb sollte dieser noch fast zehn Jahre andauern.

Manfred Fuhrmann schreibt in seinem Werk Latein und Europa. Geschichte des gelehrten Unterrichts in Deutschland von Karl dem Großen bis Wilhelm II. (2001, S. 73) in dem Kapitel Die Literatur der Hu­ma­nis­ten über die lateinischen Schuldramen dieser Zeit:

Die jesuitische Spätblüte der Gattung erreichte mit Jakob Bidermann ihren Höhepunkt; sein berühmtestes Werk, die Comico-Tragoedia Cenodoxus (etwa: Von wahnhafter Überheblichkeit erfüllt), ein allegorisches Drama, wurde im Jahre 1602 in Augsburg uraufgeführt.

Das lateinische Schuldrama der Humanisten war von Hause aus für ein genau umschriebenes Milieu, die Schulen und Universitäten, bestimmt; [...] sowohl die Bürgerschaft als auch – wenn vorhanden – die Hofgesellschaft fanden sich ger­ne zu den Vorstellungen ein. Feste Theater existierten noch nicht, und der Besuch einer Wandertruppe war ein Zu­falls­er­eignis. Bei den Jesuiten vollends verstand es sich von selbst, dass die Allgemeinheit an den dramatischen Darbietungen ihrer Schulen Anteil nahm.

Im 18. Jahrhundert ging es mit dem Schuldrama, wie mit der neulateinischen Literatur überhaupt, allmählich zu En­de. Das Lateinische wurde nicht mehr benötigt und infolgedessen nicht mehr hinlänglich verstanden. Zugleich kamen über­all – meist von den Höfen finanzierte – Theater mit Berufsschauspielern auf.

Philosophiae Naturalis Principia Mathematica (London 1687) Aus unserem Winkel zwischen Schmiech und Donau wieder zurück auf Welt- ja Universum-Niveau: vom Schultheater zur Physik!

DAS Grundbuch der neuzeitlichen Naturwissenschaften sei zum Schluss dieser lockeren Aufzählung wichtiger lateinischer Bücher der Neuzeit noch genannt: Isaak Newtons (1642-1727) Hauptwerk Philosophiae Naturalis Principia Mathematica aus dem Jahre 1687.

Und damit sind wir auch schon in der Lebenszeit von Immanuel Kant (1724-1804) angekommen, dem vermutlich ersten der bisher genannten Autoren, der auch heute noch (zumindest in kleinen Häppchen) in der Schule gelesen wird. Kant hatte seine frühen Schriften lateinisch verfasst, die Werke aber, mit denen er in die Philosophie-Geschichte Eingang fand, nämlich seine drei Kritiken, schrieb er auf deutsch ...



Es ist aber sehr wahrscheinlich, dass heutzutage von Leuten, die einfach zum Vergnügen lesen, ohne sich den Kopf allzu sehr zerbrechen zu wollen, eher als Newton und Kant der Mann gelesen wird, der unauffällig auf dem Imprimatur der Philosophiae Naturalis ... verzeichnet steht: S. Pepys [sprich: Pieps]. Seine Tagebücher der Jahre 1660-1669 erschienen – kaum zu glauben – 2010 in einer fast viereinhalbtausend Seiten umfassenden neuen deutschen Übersetzung ...

Aber auch er wurde, was er wurde, nicht ohne Latein: Samuel Pepys learns Latin – and nothing but Latin

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Deutsche Lehn- und Fremdwörter aus dem Lateinischen


Fremdwörter ZIEGEL, FENSTER etc. Ziegel Fenster Kalk Zement Mörtel Keller Mauer Kamin Pfosten Straße Pforte Pfeiler Fremdwörter WEIN, KELLER etc. Wein Keller Kammer Kammer Käse Pflanze Müller Müller Markt Kerker Winzer Winzer Frucht Koch Küche Küche Fremdwörter ANKER, KETTE etc. Kette Lanze Anker Pfeil Sichel Wall Mühle Pfosten Trichter Pfahl Becher Becher

Wer mit der Maus auf die Wörter fährt, bekommt per tooltip Angaben über ihre lateinische Herkunft ...

ABKÜRZUNGEN:
* = (sprachwissenschaftlich) erschlossene, nicht (in Texten) belegte Wortform · afrz. = altfranzösisch · ahd. = althochdeutsch · eigtl. = eigentlich · engl. = englisch · frz. = französisch · gemeinroman. = gemeinromanisch · Gen. = Genitiv · georg. = georgisch · gr. = griechisch · idg. = indogermanisch · it. = italienisch · lat. = lateinisch · mhd. = mittelhochdeutsch · mlat. = mittellateinisch · österr. = österreichisch · span. = spanisch · spätahd. = spätalthochdeutsch · spätlat. = spätlateinisch · spätmhd. = spätmittelhochdeutsch · vgl. = vergleiche · vlat. = vulgärlateinisch · ...

Duden Band 7. Das Herkunftswörterbuch. Etymologie der deutschen Sprache,
Mannheim / Leipzig / Wien / Zürich: Dudenverlag [4]2007, 960 S., ISBN 978-3-411-04074-2,
bes. S. 286-297: Lateinischer Einfluss auf das Germanische

Kytzler, Bernhard / Redemund, Lutz: Unser tägliches Latein. Lexikon des lateinischen Spracherbes, Mainz: von Zabern ([1]1992) [7]2007, XXXVIII, 999 S., ISBN 978-3-8053-1301-8 (z. Z. Sonderausgabe [zus. mit "Unser tägliches Griechisch" für ca. € 20,--)

Weeber, Karl-Wilhelm: Rom-Deutsch. Warum wir alle lateinisch reden, ohne es zu wissen, Frankfurt am Main: Eichborn [1]2006 / 2013, 332 S., ISBN 978-3-8477-2003-4, € 20,-- (Taschenbuch: München: Goldmann 2008, ISBN 978-3-442-15518-7, € 9,95)

Vgl. dazu die Wikipedia-Artikel
Lehnwort
Fremdwort
Liste von lateinischen Fremdwörtern im Deutschen
Lehnwörter / Entlehnungen im Deutschen
Latinismus / Lateinische Lehn- und Fremdwörter

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[Zweit-]Bestes Fahrzeug für Zeitreisen ...

Das beste nämlich ist die griechische Sprache! — — —

χαῖρε, ὦ μᾰθήτρῐᾰ
χαῖρε, ὦ μᾰθητά

χαίρετε, ὦ μᾰθηταί

valēte, discipulī discipulaeque!

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